Martin Block und Tim Eikermann starten beim TSV
Die Leichtathletik-Abteilung des TSV Bayer Dormagen hat ihre hauptamtliche Trainerstelle neu besetzt. Martin Block, bisher Lauftrainer beim TuS Köln rrh., übernimmt die Nachfolge von Dirk Zorn und ist damit für die Struktur der Trainingsgruppen am Stützpunkt verantwortlich. An seiner Seite beginnt Tim Eikermann, bis zum Sommer einer der besten deutschen Hürdensprinter, seine Trainerlaufbahn. Beide absolvieren parallel die A-Trainer-Ausbildung des Deutschen Leichtathletik-Verbandes: Block im Lauf, Eikermann in Sprint und Hürden.
Block: Vom Marketing zurück auf die Bahn
Block, Jahrgang 1973, ist in Leverkusen aufgewachsen und lief dort selbst Mittel- und Langstrecke, unter anderem bei Paul-Heinz Wellmann, dem Bronzemedaillengewinner von Montreal 1976. Nach dem Studium an der Deutschen Sporthochschule Köln arbeitete er mehr als 20 Jahre im Sportmarketing, darunter siebeneinhalb Jahre in den Niederlanden und zuletzt sechs Jahre bei Grohe in Düsseldorf. Das Training lief nebenher, seit 2003 zunächst in Bergisch Gladbach, seit sechs Jahren beim TuS Köln rrh. Dort baute er mit den Trainerkollegen eine leistungsstarke Mittelstreckengruppe von unten auf, aus der zuletzt drei Athleten zu internationalen Meisterschaften der U18 und U20 reisten. Ein Höhepunkt in diesem Sommer: der deutsche U20-Titel über 3x1000 m, verbunden mit einem deutschen Rekord, der seit 1997 stand.
„Ich mache den Trainerjob zu meinem Hauptberuf. Darüber freue ich mich sehr“, sagt Block, der in Dormagen zwei Aufgaben sieht: „Die Trainer und Trainingsgruppen zu strukturieren und Breiten- wie Leistungssport abzubilden. Und das Internat richtig zu nutzen.“ Für das Sportinternat Knechtsteden ist Block künftig erster Ansprechpartner der Leichtathletik. Nach einem Rundgang mit dem Sportkoordinator in seiner ersten Woche ist ihm klar: „Das ist ein schlummerndes, kleines Juwel, das viel zu wenig bekannt ist. Das müssen wir anders kommunizieren und darstellen.“ Dabei hilft ihm seine Marketing-Erfahrung. Dazu gehöre auch, mit anderen Vereinen in der Region zu sprechen und Vertrauen zu gewinnen, „dass Dormagen ein guter Ort ist, um Leistungssport zu betreiben und besser zu werden“.
Zunächst will er aber zuhören: „Ich gehe ab der U12 in jedes Training und spreche mit allen, um zu verstehen, wie der Verein und das Trainerteam ticken.“ Die Voraussetzungen dafür sieht er: „Die Bayer-Anlage bietet aus leichtathletischer Sicht alles, was man braucht. Diese Potenziale müssen wir wieder nutzen.“ Der Aufbau sei kein Projekt von heute auf morgen: „Da braucht man Marathon-Erfahrung. Wir müssen wieder bei der Basisarbeit in der U12 und U14 anfangen, mehr Kinder für die Leichtathletik gewinnen und sie in unserem System nach oben bringen.“
Seine Trainingsgruppe führt Block weiter, auch mit Einheiten in Köln. Als Trainer legt er Wert auf Gemeinsamkeit. Die Leichtathletik sei zwar ein „Individualsport, aber wir trainieren als Team. Ich suche immer Einheiten, in denen Athleten unterschiedlicher Disziplinen oder Leistungsklassen zusammen trainieren können.“
Eikermann: Der Hürdensprinter wechselt die Seite
Eikermann hat seine aktive Karriere bei den deutschen Meisterschaften in diesem Sommer beendet. Der 26-Jährige aus Düsseldorf begann 2006 bei Eintracht Duisburg, wechselte 2019 zum TSV Bayer 04 Leverkusen und gewann 2023 und 2024 die deutschen Hallentitel über 60 m Hürden. Draußen holte er 2022 und 2024 DM-Silber über 110 m Hürden, startete bei der Hallen-EM 2023 in Istanbul und wurde 2024 Zwölfter bei der EM in Rom. Die Olympia-Qualifikation für Paris verpasste er knapp, danach bremsten ihn Verletzungen, zuletzt an der Achillessehne. Eikermann hat zwei Bachelor-Abschlüsse in Trainingswissenschaft sowie Lehramt Sport und Geschichte und hängt nun den Master in Trainingswissenschaft an.
In Dormagen arbeitet er als dualer Student des Leichtathletik-Verbandes Nordrhein. Wie Block hebt er die Bedingungen am Stützpunkt hervor: „Ich finde den Standort Dormagen super. Die Anlagen sind toll, die Bedingungen mit der Kooperation zum Internat sind ideal, um vor allem im Jugendbereich richtig etwas zu entwickeln“, sagt Eikermann. „Da sollte wieder mehr Sport passieren, im Breitensport und vor allem im Leistungssport. Es ist eigentlich alles geebnet, um hier Profisport zu entwickeln. Da möchte ich irgendwann hin.“
Ein Thema treibt ihn besonders um: „Die Männerhürde könnte in Deutschland bundesweit deutlich besser aufgestellt sein, wir haben wenig Nachwuchs. Ich möchte herausfinden, woran das liegt, und Jungs für die Disziplin begeistern. Sie ist härter als andere, aber es gibt wenige Disziplinen, in denen man so in die deutsche Spitze kommen kann.“ Im Training versucht er vor allem, „Spaß und Lockerheit“ zu vermitteln. Denn: „Wenn der Vibe stimmt, stimmt häufig auch das Training. Die Leistung kommt dann von alleine.“
Block freut sich auf die Zusammenarbeit mit Eikermann: „Wir kommen aus unterschiedlichen Welten des Laufens. Er läuft kurz mit Hürden, ich länger, manchmal mit Hindernissen. Wenn man das Laufen als Kontinuum von 100 m bis Marathon betrachtet, decken wir zusammen viel ab.“ Beide sollen mit neuer Energie auch auf das bestehende Trainerteam wirken. „Wenn wir das von unten her erfolgreich machen wollen, müssen wir alle zusammenarbeiten“, sagt Block.